Aufgabe 1 – Fokus:
Was versteht mein Hund wirklich als Signal?
Ziel von Aufgabe 1
Heute geht es darum, sichtbar zu machen, worauf dein Hund tatsächlich achtet, wenn du eine bekannte Übung abfragst:
- Nicht um neue Übungen.
- Nicht um Korrektur.
- Sondern um Beobachtung und Verstehen.
Bevor wir starten
Was heute im Mittelpunkt steht:
Vielleicht kennst du diesen Gedanken:
„Eigentlich kann er das doch …“
Und trotzdem fühlt sich das Training manchmal nicht rund an.
Heute geht es nicht darum, neue Übungen zu lernen.
Und auch nicht darum, etwas zu korrigieren oder besser zu machen.
Ich erkläre euch heute ganz bewusst nicht, wie ihr künftig alles „richtig“ macht. Das lässt sich pauschal gar nicht beantworten –
weil jeder Hund, jeder Mensch und jedes Team anders ist und unterschiedlich reagiert.
Heute helfe ich dir, hinzuschauen.
Zu erkennen:
- was dein Hund wirklich als Signal versteht –
- und was bisher vielleicht gar kein eigenes Signal war, sondern einfach Teil des Gesamtbildes.
Worum es heute geht
Beobachte deinen Hund heute (oder morgen) einmal bewusst bei einem oder mehreren bekannten Trick/s oder Übung/en:
- Was scheint für ihn besonders wichtig oder hilfreich zu sein?
- Worauf reagiert er, worauf nicht oder überraschend?
- Was passiert, wenn sich etwas leicht verändert?
- was für ein Verhalten zeigt er, wenn Du meine kleinen beispielhaften oder auch eigene Testaufgaben ausprobierst?
Einige Hunde reagieren viel weniger auf unsere Worte, als wir oft denken.
Sie reagieren auf das Gesamtbild –
zum Beispiel auch auf Bewegungen, Körperhaltung, Blickrichtung oder Stimmung und anderes mehr…
Solange dieses Bild gleich bleibt und für deinen Hund „wie gewohnt“ ist, funktioniert vieles (scheinbar) zuverlässig.
Heute geht es daher noch nicht um Distanz. Sondern darum, diese Zusammenhänge sichtbar zu machen, hinzuschauen und zu erkennen, was dein Hund wirklich als Signal versteht – und was bisher gar kein eigenes Signal war, sondern einfach Teil eines Gesamtbildes.
Denn wenn ein Signal für deinen Hund nicht klar ist,
kann es auch auf Distanz nicht funktionieren!
Ganz wichtig
Bitte belohne deinen Hund heute immer. Auch – und gerade dann – wenn sich dabei Unsicherheiten, Zögern oder „Fehler“ zeigen. Auch wenn Du das Gefühl hast, damit Fehler zu belohnen. Dein Hund ist heute Versuchskaninchen. Und für seine Bereitschaft, trotz Verunsicherung weiter mitzumachen, hat er sich Belohnungen verdient.
Dein Hund gibt sein Bestes und hilft dir heute, Zusammenhänge sichtbar zu machen. Er macht heute nichts falsch.
Er hilft dir, etwas zu erkennen.
Deine Aufgabe 1: Beobachten
Das Wesentliche – heute geht es um:
-
Erkennen, worauf dein Hund tatsächlich achtet
-
Sichtbar machen, dass Wortsignale oft nicht das sind, was dein Hund (hauptsächlich) nutzt
-
Den Gedanken zulassen: „Mein Hund gibt sein Bestes.“
Es gibt nichts, wofür sich einer von euch heute Schämen müsste.
Idealerweise filmst du euch dabei. So kannst du dir die Sequenzen später noch einmal in Ruhe anschauen und genauer hinsehen.
Wenn du magst, kannst du dein Video auch in der WhatsApp-Gruppe teilen.
Andere Teilnehmer und ich schauen gern mit drauf.
Kein Stativ?
Stell dein Handy im Selfie-Modus auf einen Tisch, ein Regal oder lehne es an –
so, dass du im Bildschirm siehst, dass der Bereich zu sehen ist, in dem ihr gleich arbeitet.
Vorbereitung
Wähle eine bekannte Übung, die dein Hund grundsätzlich gut kann. Normalerweise gibst du dabei Wortsignal und Körpersprache wahrscheinlich gleichzeitig. Heute trennen wir das bewusst und schauen uns drei Varianten an.
Die drei Varianten
Wähle ein oder zwei bekannte Tricks oder Übungen und probiere sie nacheinander in den drei folgenden Varianten aus. Beobachte dabei, was passiert und wie dein Hund reagiert.
1️⃣ Nur Wortsignal
-
Hände auf dem Rücken
-
Möglichst keine Bewegung von Kopf oder Körper
2️⃣ Nur Sichtzeichen / Körpersprache
-
Bleib dabei ganz still
-
Keine Worte
3️⃣ Sichtzeichen mit „falschen“ Worten
-
Nutze deine gewohnten Sichtzeichen
-
Sage dabei neutrale, für deinen Hund bedeutungslose Wörter
(z. B. „Banane“, „Salat“, „Auto“, „Spaghetti“)
Worauf du dabei achten kannst
Achte auf kleine und große Reaktionen deines Hundes, zum Beispiel:
-
kurzes Zögern
-
fragender Blick
-
kleine Kopfbewegungen
-
Niesen
-
Wuffen oder Bellen
-
näher kommen oder weggehen
-
andere Übungen anbieten
-
ins Gras oder in den Schnee beißen
-
alles, was nicht die abgefragte Übung ist
Auch wenn dir etwas davon bisher unscheinbar oder „nebensächlich“ vorkam:
Es kann ein wichtiges Zeichen dafür sein,
wie es deinem Hund mit der Situation gerade geht.
Darum ist Filmen so hilfreich –
man sieht im Nachhinein oft viel mehr.
Jeder Hund reagiert anders.
Alles, was dein Hund zeigt, ist wertvoll.
DEMO-VIDEOS
Demo-Videos – einfach zum Hinschauen
In den folgenden Videos siehst du Milino und Malibu bei bekannten Übungen.
Nichts ist gestellt, nichts geschönt.
In diesen Videos zeige ich dir bekannte Übungen in verschiedenen Varianten:
-
nur mit Wortsignal
-
nur mit Sichtzeichen
- mit Wortsignal und Sichtzeichen
-
und mit bewusst “falschen” Worten plus Sichtzeichen
VIDEO 1
Schau dir an, wie unterschiedlich Hunde reagieren können. Milino ist sich bei allen 3 Varianten recht sicher. Man sieht nur minimale Unterschiede in seinem Verhalten.
VIDEO 2
1. Versuch mit Malibu. Ich fing die Trainingseinheit direkt damit an, 3 ihm bekannte Tricks nur mit Wortsignal abzufragen. Ihm fehlen die gewohnten Sichtzeichen. Schau, wie er reagiert…
VIDEO 3
Nach einer kurzen Pause versuche ich es nochmal mit ihm, und helfe ihm diesmal mehr und gebe auch Sichtzeichen. Doch die Verunsicherung vom 1. Versuch wirkt noch nach…
Du siehst, wie unterschiedlich Hunde reagieren können. Milino ist sich meist sehr sicher. Malibu kann die Übungen an sich auch. Aber er achtet vermehrt auf Sichtzeichen. Wenn ich mit ihm auf eine Art anfange zu trainieren, bei der ihm etwas fehlt (zum Beispiel Sichtzeichen) oder etwas anders ist, als gewohnt, dann ist er ganz schnell mega verunsichert. Und er zeigt das ganz deutlich mit vielen verschiedenen Anzeichen. Wenn ich so ins Training starte mit ihm, ist es von Anfang an holprig… und wird auch nur langsam wieder besser… selbst wenn ich ihm dann gebe, was er braucht.
Nimm dir heute Zeit deinen Hund neutral zu Beobachten – und dabei nichts zu Bewerten.
Es geht nicht darum, was „richtig“ oder „falsch“ ist.
Sondern darum zu sehen, worauf dein Hund tatsächlich wie reagiert.
Ganz wichtig (noch einmal)
Bitte belohne deinen Hund während oder nach allen Versuchen.
Auch bei Unsicherheit.
Auch bei Zögern.
Auch bei vermeintlichen „Fehlern“.
Dein Hund gibt heute sein Bestes
und hilft dir, Zusammenhänge sichtbar zu machen.
Ziel der Aufgabe heute
-
Beobachten
-
Nicht korrigieren
Dein Hund hilft dir,
bisherige Missverständnisse und Unklarheiten sichtbar zu machen.
Und du lernst heute, genauer hinzuschauen.
Ich wünsche Dir ganz viel Spaß beim Ausprobieren, Experimentieren und Beobachten!
erzliche Grüße,
Deine Anja
Ausblick
Morgen gehen wir einen Schritt weiter. Dann arbeiten wir mit Objekten und schauen, was sich dort zeigt. Wir widmen uns auch nochmal den Übungen von heute. Es gibt einfache weitere Tests, die eventuell bei dem ein oder anderen von euch zu echten Aha-Momenten führen werden.
Ich freue mich, dass du dabei bist.